Kreuzfahrt mit der MS Astor

Tag 3

Ausflug nach Göteborg

Goooood Mooooornig Göteborg

Die Glasfassade des Openhauses mit der MS Astor im Hintergrund
Göteborgs Oper

Es ist der 4. Mai und heute steht der erste Landausflug an. Die Morgensonne wärmt die kühle, skandinavische Luft und verspricht einen angenehmen Frühlingstag. Wenn ich mir überlege, noch vor 4 Tagen stand ich mit dicker Winterjacke beim etwas verkühlten Tanz in den Mai und nun blicke ich auf die golden leuchtende Silhouette der Stadt bei einem kräftigen Kaffee. Die ersten Busse finden sich ein und einige Passagiere warten schon an der Gangway das die Touren los gehen. Ich gehe heute auf eigene Faust los und erkunde die City. Mal sehen was man so sieht und findet. Am Vortag habe ich mir bei Ulrich, unserem Concierge zwar einen Plan von Göteborg mit ein paar Tips und Hinweisen geholt, aber irgendwie geh ich mal „der Nase nach“.  Ich schnappe mir meine Kamera, erledige den „check out“ an der Gangway und steige in einen der Shuttle-Busse, welche mich über die Göta Älvbron bis zur Göteborgsoperan bring.

Lilla Bommen

Fußgängerbrücke vom Hafen zur Innenstadt
Ein ehemaliges Lagerhaus im Hafen
Hafen „Lilla Bommen“

Von dort aus beginnt meine Tour mit dem kleinen Hafen „Lilla Bommen“, was übersetzt „Kleiner Schlagbaum“ bedeutet. Im 16. Jahrhundert war hier eine der Zollstellen von Göteborg für die ein- und ausfahrenden Boote.Hier wurden dann die entsprechenden Gebühren für das Schwedische Königshaus kassiert. Das Opernhaus ist, ebenso wie das weit sichtbare rot-weiße Hochhaus Skanskaskrapan, eines der drei Wahrzeichen des Lilla Bommen. Diese beiden rahmen den größten in Skandinavien gebauten Windjammer ein. Die Anfang des 19. Jahrhunderts gebaute Viermastbark „Viking“.  Das 118m lange und 63 m hohe Segelschulschiff a.D. unterstreicht das maritime Flair und bildet einen schönen Kontrast zu den beiden modernen Gebäuden, welche sie flankieren und dem Shopping-Center im Hintergrund. Wenige Meter daneben finden sich, in typischer skandinavischer Bauweise und in kräftigem rot gehalten, ein langes Gebäude im Stil von einem Lagerhaus oder einen kleinen Bahnhof mit kleinen Cafés und Geschäften.  Der kleine und idyllische Yachthafen bietet einem einen perfekten Blick auf die MS Astor. Schnell ein paar Fotos gemacht und dann weiter in Richtung Innenstadt.

Die Innenstadt

Dom von Göteborg
Statue von König Gustav Adolf
Die Kanäle von Göteborg

Eine Rolltreppe führt zu einer Glas überdachten Brücke, welche die Hauptstraße überspannt und das große Einkaufszentrum mit dem Hafen verbindet. Gleich dahinter beginnt die Innen- und Altstadt von Göteborg. Da ich eh durch das Center muss kann man auch erstmal eine Runde Bummeln. Es gibt einige nette Geschäfte in dem Center, aber mein Interesse gilt heute nicht dem Shopping sondern den Sehenswürdigkeiten dieser Stadt.  Aus dem Nordstan kommend überquere ich eine kleine Grachte, vorbei am Brunnsparken und dem Hotel Pigalle -nein, ich bin nicht in Paris –  in Richtung Kungsparken. Allerdings wecken die ganzen Gassen mit ihren gepflegten Häusern meine Neugier. So biege ich mal hier rechts und mal da links ab. Einfach immer der Nase nach. Ich komme am Gustav-Adolfs-Platz vorbei, benannt nach König Gustav II. Adolf, welcher Göteborg 1619 gründete und zwei Jahre später das Stadtrecht verlieh. Dem zu Ehren und weil er Schweden zu einer Vormachtstellung im nördlichen Europa verhalf, sowie sein eingreifen im dreißigjährigem Krieg den Sieg gegen die Habsburger herbei führe und damit den im nördlichen Europa vorherrschenden Protestantismus sicherte, stellte man eine Bronzestatue von Ihm auf den Platz. Mich zieht es weiter durch die Gassen, entlang des Kronhuset, dem vermutlich ältesten Gebäude Göteborgs und dem Stadtmuseum in Richtung des Doms von Göteborg. Der 1827 fertiggestellte Dom ist mit seinem neoklassizistischem Baustil der inzwischen dritte Dom an dieser Stelle. Der erste, welcher zu Ehren des Stadtgründers nach seinem Fall unter Wallenstein bei der Schlacht von Lützen gebaut wurde fiel, ebenso wie der zweite, den großen Stadtbränden des 18. Jahrhunderts zum Opfer. Aus dem ehemaligen Friedhof, welcher sich um den Dom herum befand wurde im laufe der Jahrhunderte ein gepflegter Park, welcher einen gerne zum Verweilen einlädt.

Kungsparken

Stora – Theater
Saluhallen

Nach einem kurzen Bad in der Sonne mache ich mich auf den Weg, am Kanal entlang in Richtung des großen Stadtparks. Vor der Brücke der Kunsportavenyen (Königstoravenue), der „Kö“ oder „5th. Avenue“ von Göteborg, wird der Kanal eingerahmt von den Saluhallen und dem Stora-Teatern. Die Saluhallen sind die größte Markthalle von Göteborg und wurde 1889 eingeweiht. Das Gebäude bot damals über 90 Händlern ein Dach über dem Kopf. Gebaut wurde sie auf dem 1847 auf den Überresten der alten Bastion „John Dux“. Auf der anderen Seite des Kanals erhebt sich das weiße Gebäudeensemble des Stora Teatern. Das Theater wurde von Carl Malmberg im Stil der Neo-Renaissance in nur 3 Jahren erbaut und 1859 eröffnet. Ideengeber zur Gestaltung dieses Gebäudes war, wie wenn man davor steht unverkennbar ist, das Hoftheater in Dresden von Gottfried Semper. Leider ist es mir nicht möglich das Theater zu besichtigen und die mit Blattgold-Ornamenten verziere Decke zu bestaunen unter der ein riesiger Kronleuchter hängt. Also gehe weiter meines Weges, über die Brücke welche den alten Wassergraben der einstigen Bastion überspannt und auf dem inzwischen kleine Ausflugsboote zu einer Kanalfahrt starten und den Interessierten Göteborg von der Wasserseite aus zeigen. Ich erreiche die Grüne Lunge der Stadt, den Kungsparken, ein 13 ha großer, gepflegter Park mit vielen Skulpturen und dem Brunnen von Arvid Fuhre „Flickan och sjötrollen“ (Das Mädchen und die Meerestrolle). Auf dem Brunnen steht ein Mädchen auf einer Säule und wird am Brunnenbecken von drei Meerestrollen umringt.  Ich kann mir vorstellen das dieser Park im Sommer gut besucht ist mit seinen Schatten spendenden Bäumen und den leichten Hügeln mit Blick auf Stadt und Kanäle.

 

 

Bältespännarparken

Blick vom Rosengarten auf das Palmenhaus
Im Rosengarten

Dem Vogelgezwitscher dieses Frühlingstages lauschend überquere ich erneut die Kungsportavenyen zu dem gegenüberliegenden Park. Der „Bältespännarparken“, so sein inoffizieller Name, ist eigentlich ein Teil von Kungsparken mit noch einmal ca. 6 ha Parkfläche, wird jedoch von den Einwohnern von Göteborg als eigener Park gesehen. In diesem Teil befindet sich das Palmenhaus, welches 1878 nach dem Vorbild des Chrystal Palace im Londoner Hydepark erbaut wurde. Das Haupthaus mit 14,5 m Höhe und der Ähnlichkeit eines Kirchenschiffs beherbergt 30 verschiedene Palmen. Vom Hauptgebäude abgehend gibt es noch vier weitere Gewächshäuser mit jeweils verschiedenen Vegetations- und Klimazonen, das Tropenhaus, das Wasserhaus, das Mittelmeerhaus und das Kamelienhaus. Ein paar Meter beginnt der Rosenpark im Stil eines Englischen Gartens der Garden Society Gothenborg, welches bis zu 1200 verschieden Sorten das größte Rosarium in Europa ist. Leider blüht so früh im Jahr noch keine, aber man kann erahnen wie toll dieser Garten im Sommer aussehen muss.

„Heartbreak Station“

Gothenborg Central Station

Nach ausgiebiger Erkundung des Gartens mit seinen liebevoll angelegten Wegen und den gepflegten Häusern geht es für mich zurück über den Kanal zum Hauptbahnhof. Die Gothenborg Central Station ist nach dem Bahnhof in Stockholm der zweitgrößte Bahnhaltepunkt in Schweden. Ein Ort der Emotionen, des Abschieds, des Wiedersehens. Der Pulsschlag der ein- und ausfahrenden Züge lässt Menschen in Hektik über die Gänge hetzen.

Das Gebäude aus dem Jahr 1858 von Adolf Edelsvärd ist eine gelungene Symbiose aus Gestaltung und Funktionalität. Kaum betritt man das Gebäude fühlt man sich wie in eine andere Zeit versetzt. Außerdem ist der Bahnhof ein Vorreiter der modernen Stellwerktechnik. 1978 wurde hier in Göteborg das weltweit erste elektronische Stellwerk installiert und erfolgreich betrieben. Ich lasse den Bahnhof und sein hektisches Treiben hinter mir und wende mich wieder dem Hafen zu. Mein nächstes Ziel ist das Schiffsmuseum „Maritiman“ im alten Zollhafen.

Maritiman

Blick vom Zerstörer HMS Smaland auf den Hafen und das Maritiman

Im alten Zollhafen von Göteborg wurde nach langem Leerstand aufgrund der Werften- und Schiffahrtskrise in den 70er Jahren an den Packhuskajen 1987 das Maritiman, ein Schiffs- und Schiffbaumuseum eröffnet. Die alten Lagerhäuser aus Holz wurden aufwendig restauriert, die Kaianlagen neu gestaltet und wurden zu einer neuen Heimat für Restaurants, Museen und das Casino. Allerdings suche ich erstmal nach dem Eingang zum Museum. Ratlos laufe ich auf die Gangways um festzustellen das ich falsch bin. Also gehe ich irgendwann mal in das Schiff, welches aussieht als wäre es ein schwimmender Kiosk um zu fragen wie man denn in das Museum kommt. Drinnen stelle ich dann mit einem Schmunzeln fest das dieses der Eingang ist und ich bestimmt vier mal daran vorbei gelaufen bin.  Nun denn – ich zahle den Eintritt und dann geht sie los, die Reise in die maritime Vergangenheit. Es erwarten mich 12 historische Schiffe, das beeindruckenste von allen ist der 121 m lange Zerstörer HMS Smaland. Das mit Dampfturbinen angetrieben Kriegsschiff war bis 1979 in Dienst. In seinen beiden Dampfkesseln erreichte das Wasser eine Temperatur von 420 Grad und trieb die beiden 58.000 PS Turbinen mit 40 Bar Druck auf eine Höchstgeschwindigkeit von 35 Knoten. Der Zerstörer war eines der ersten Schiffe welche  Mitte der 60er Jahre mit dem Robot-08 System ausgestattet wurde. Die Guided Anti-Ship-Missle hatte eine Reichweite von ca. 70 km und konnte neben Sprengstoff auch mit Kamerasystem zur Aufklärung ausgestattet werden.

Im inneren des U-Bootes

Ein weiteres Highlight für mich ist die HMS Nordkaparen,  Ein U-Boot der Dragon II Klasse. Es wurde 1962 an die schwedische Marine übergeben und war mit einem neuartigen Revolvermagazin für die drahtgesteuerten Torpedos ausgestattet um ein schnelleres Nachladen zu ermöglichen. Anfang der 80er Jahre war seine Dienstzeit um und es wurde als kaum demilitarisiertes Museumsschiff 1993 dem Maritiman übergeben. Beim Gang durch diese enge Röhre bekam man ein Gefühl dafür wie es sein musste auf diesem Uboot seinen Dienst zu tun. Die aus den versteckt angebrachten Lautsprechern kommenden Geräusche vom Bordalltag tun ihr übriges.  Die Wilhelm Bauer in Bremerhaven ist dagegen richtig geräumig.  Alles in allem sind die Boote liebevoll gepflegt und dekoriert. Manche wirken als wäre die Crew gerade erst zum Landgang von Bord gegangen.  Nachdem ich dann alle Schiff durch habe beschließe ich langsam in Richtung der Astor zu gehen. An der Seefahrtsschule gegenüber des alten Zollhafens folge ich den Seitenstraßen bis ich wieder am Nordstan bin und beschließe den Weg bis zum Schiff bei dem strahlenden Sonnenschein nicht mit dem Shuttlebus zurück zulegen sondern zu Fuß über die Götaälvbron. Nach ungefähr einer halben Stunde erreiche ich das Schiff und werde noch etwas auf dem Sonnendeck relaxen um mich dann erstmal in der Kabine frisch mache für den Kapitäns-Empfang in der Astor-Lounge.

 

 

 

Captain’s Welcome

Abschiedsgruß von Göteborg

Um 17 Uhr stell ich mich brav in die Schlange vor der Lounge wo schon alle in feiner Abendgarderobe auf das Captain’s Handshake warten. Hier ein Foto vor einer Landkarte, da ein Foto mit dem Kapitän, ein Glas Sekt geschnappt und ab in die Lounge einen Platz gesucht. Nachdem alle Hände geschüttelt sind kommt der Kapitän auf die Bühne und mit ihm seine ganze Offiziersriege. Mit ein paar netten Worten zu der Reise wird das Glas gehoben und kurz angestoßen, die einzelnen Offiziere werden vorgestellt und dann ist der förmliche Teil vorbei. Auf gehts zum Abendessen.

Nach dem ich meinen knurrenden Magen befriedigt habe legt das Schiff auch schon bald ab. An der Kaje hat sich eine Marchingband versammelt um die MS Astor zu verabschieden. Die Leinen werden gelöst und unser Schiff bewegt sich langsam von der Kaimauer weg.

 

På återseende Göteborg

 

Das Bord-Ensemble mit der ABBA-Revival Show
Sonnenuntergang in der schwedischen See

Während die Stadt hinter uns immer kleiner wird und wir wieder die Schären passieren geht langsam die Sonne unter. Nachdem der Lotse an Bord gekommen ist gehe ich unter Deck in die Astor-Lounge. Dort begrüßt uns der Kreuzfahrtdirektor Stelios zur ABBA Show. Das Bordensemble spielt die ganzen Hits der schwedischen Erfolgsband und verbreitet eine super Stimmung. Von Dancing Queen über Waterloo bis zum Thank you for the music als Showfinale ist alles dabei. Nach der Show gehe ich noch ein wenig an Deck, beobachte die See und trinke mir noch einen Cocktail an der Hansebar, wo DJ Uwe wieder die Plattenteller dreht. Irgendwann treibt mich die doch inzwischen kühle Nachtluft wieder unter Deck. Man ist ja schließlich nicht in der Karibik unterwegs sondern in Skandinavien. Ich entschließe mich also ins Bett zu gehen und mich noch ein wenig in den Schlaf zu lesen. Vor uns liegt, bis zu unserem Ziel Malmö am nächsten Morgen, eine Strecke von rund 330 Seemeilen, wo mich das Schiff wieder sanft in den Schlaf schaukeln wird.

 

 

Color Line bei Nacht
Die Color Magic auf dem Weg nach Oslo

 

 

 

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