Kreuzfahrt mit der MS Astor

Tag 5

Rügen

6. Mai 2016 – 04:30 Uhr

Sonnenaufgang vor Rügen

 

Noch herrscht Ruhe auf dem Schiff
Kapitän Strusevich steuert uns sicher in den Hafen

Es ist kurz vor fünf als meine innere Uhr mich aus dem Bett holt. Ein Blick aus dem Kabinenfenster offenbart mir einen schwarzen Himmel mit einem rot-orangen Horizont und lässt einen wunderbaren Sonnenaufgang erahnen. Also schnappe ich mir meine Kamera und mache mich auf den Weg nach draussen. Kaum an Deck angekommen erhebt sich die Sonne auch schon golden aus dem Meer und langsam steuert unser Kapitän die Lady in Richtung Mukran, dem Fährhafen von Sassnitz. Von 1985 bis zum Ende der DDR war der Hafen abgesperrtes Grenz- und Militärgebiet bis über diese Kaianlagen ab 1990 der Großteil der russischen Streitkräfte abgezogen wurde. In den Jahren darauf wandelte sich der Hafen zum größten deutsche Eisenbahnfährhafen in Deutschland. Bis zum Ende des ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts wurden hier auf insgesamt 72 km Gleisen in Normal- und Breitspur pro Jahr bis zu 70.000 Waggons umgeschlagen. Im Laufe der Zeit kamen dann regelmäßige Fährlinien nach Russland und Schweden hinzu, sowie Offshore-Basen und natürlich auch ein Liegeplatz für unser Schiff, wo wir inzwischen fest machen. Während ich mein Frühstück genieße kommt die deutsche Bürokratie an Bord und macht die Zollabfertigung… Jaja, die deutsche Gründlichkeit…
Pünktlich um acht ist das Schiff dann freigegeben und kurz darauf startet dann auch unser Bus zur Tour über Rügen. Vom Kai aus geht die Fahrt erstmal direkt nach Sassnitz.

 

 

Sassnitz / Königstuhl

Blühender Raps und blaues Meer – leider aus dem Bus fotografiert
Blick vom Königsstuhl

Der kleine Kurort an der Nordküste der Insel wuchs aus einem Fischerort heran und hat sich seit beginn des 20. Jahrhunderts immer weiter zum Urlaubsort entwickelt, auch wenn der Fischfang immer noch eine große Bedeutung hat. Unser Busfahrer steuert seinen Fahrzeug sicher durch die schmalen Straßen, während unser gut gelaunter Reiseführer ein wenig „Seemansgarn“ spinnt. Weiter geht unsere Fahrt über die Insel. Vorbei an goldgelb blühenden Rapsfeldern und grünen Weiden geht es immer weiter durch Jasmund den „Berg“ hinauf. Durch dichten Buchenwald rechts und links der Straße nähern wir uns unsere ersten Station, der Kreidefelsen. Wir parken am Nationalparkhaus unterhalb des berühmten Königstuhls. Nach wenigen Minuten Fußweg erreichen wir den für mich schönsten Ausblick Rügens. Die weißen Felsen leuchten in der frühen Morgensonne zwischem den jungen Grün des Frühlings während 110 m unter mir das smaragdgrüne Wasser der Ostsee in kleinen Wellen an die Küste spült. Der Felsen aus ca. 72 Mio. Jahre alten Kreidegestein hat seinen Namen aus einer Sage, in welcher derjenige König wurde, der es schafft den Felsen zu erklimmen und sich auf den dort aufgestellen Stuhl zu setzen. Vermutlich rührt der Name allerdings aus der Seeschlacht vor Jasmund 1715 bei der König Karl XII. von Schweden von dort oben die Schlacht beobachtete. Nach einer kleinen Fotorunde geht es wieder zurück zum Bus, der uns Richtung Kap Arkona bringt, die Landspitze welche auch (fälschlicherweise) als nördlichster Punkt Rügens bezeichnet wird.

Die Türme von Kap Arkona

 

 

Unser Bus hält auf dem Parkplatz neben dem kleinen Örtchen Putgarden, von dem kleine Bimmelbahnen die Touristen hinauf zum Kap bringen oder zu dem kleinen Dorf Vitt.

 

Vitt

Die Dorfkapelle

Wir befinden uns im Jahre 2016 n.Chr. Ganz Rügen ist von den Römern ähhh… Touristen besetzt… Ganz Rügen? Nein! Ein von unbeugsamen Einsiedlern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem bauwütigen Eindringling Widerstand zu leisten…

Der Weg nach Vitt

Die Bimmelbahn hält an einer kleinen, einsam zwischen leuchtenden Rapsfeldern stehenden, Dorfkirche. Von dort aus führt ein schmaler Schotterweg hinab zur Küste. Vor uns liegt ein idyllisches kleines Fischerdorf in dem man meinen könnte, die Zeit wäre stehen geblieben. Kleine, reetgedeckte Häuser mit gepflegen Gärten begrüßen uns mit blühenden Blumen und süßen Katzen.

Leise plätschert das Wasser an den glänzenden Kiesstrand und die zwei Schwäne beäugen die Karawane, welche dieses ruhige und beschauliche Dorf nun überfällt. Kleine Fischerboote stehen zwischen aufgespannten Netzen und Bojen und bieten in der strahlenden Frühlingssonne eine fast meditteranes Flair. Auf der linken Seite erhebt sich am Ende einer malerischen Bucht die Steikküste des Kaps mit seinen drei Türmen. Vitt wurde vermutlich im 10. Jahrhundert als Handelhafen der slawischen Murg oberhalb am Kap gegründet, allerdings sind keinerlei Aufzeichnungen aus der Gründerzeit vorhanden. Durch seine Lage in der kleinen Schlucht dieser Steilküste konnte sich das Dorf über die Jahrhunderte jedoch seinen ursprünglichen, romantischen Charme bewahren. Mein Weg führ mich nach einer kleinen Wanderung die Küste entlang zurück durch Vitt und dann einen schmalen Pfad die Schlucht hinauf. Dort geht es entlang der Steilküste, gesäumt von Bäumen in Richtung der drei Türme. Zwischendurch führen immer wieder Treppen hinab zum Wasser. Nach einer entspannenden Wanderung erreiche ich den Peilturm, von dem aus weiter zur Jaromarsburg. Diese Tempelburg aus dem 9. Jahrhundert hat im laufe der Jahrhunderte rund 2/3 seiner Grundfläche durch die Uferabrüche verloren. Heute ist noch ein Teil des Burgwalls erhalten. Dieser ist jedoch leider wegen der Abbruchgefahr der Küste versperrt. So gehe ich weiter bis ich bei den beiden Leuchttürmen bin. Der

Die Leuchttürme von Kap Arkona – vorne der neue Turm, dahinter der Schinkelturm

Schinkelturm, der kleinere von beiden und in rechteckiger Form aus Backstein gebaut, wurde in den Jahren 1826/27 nach Plänen von Karl – Friedrich Schinkel gebaut. Das in ca. 23m Höhe brennende Leuchtfeuer hatte eine Reichweite von 8 Seemeilen wurde von 17 in Parabolspiegeln eingelassen Brennern erzeugt. Diese wurden in den ersten Jahren durch Rüböl betrieben und im Jahre 1872 komplett auf Petroleum umgestellt. Sein letztes Licht sendete der Schinkelturm 1905 aus, nach der Fertigstellung des um 13 m höheren neuen Leuchtturms aus. Dieser war dann auch schon elektifiziert und seit seiner Umrüstung von Glühlampen auf Halogenmetalldampflampen 1995 strahlt er sein Licht mit über 2 Mio. Candela sein Licht 24 sm hinaus in die Ostsee um die Schiffe sicher am „Kap Horn der Ostsee“ vorbei zu führen. Neben den beiden Türmen gibt es zwei Bunkereingänge. Einer aus der Zeit der Wehrmacht und einen jüngeren der NVA, welcher von 1979 – 86 errichtet wurde.  Mit einem Blick auf die Uhr verabschiede ich mich vom Kap und wandere durch das Dörfchen Puttgarden zurück zum Parkplatz von dem aus uns der Bus wieder zurück zum Schiff bringt.

 

 

Binz

alte Bäderarchitektur
das Kurhaus von Binz

Nach einem guten Mittagessen geht es gestärkt wieder an Land. Mit einem Shuttlebus fahre ich nach Binz, vorbei am Koloss von Prora. Die nie vollendete KdF – Urlaubsanlage mit einer ursprünglichen Länge von 4,5 km ist das erste und einzige begonnene Projekt dieser Art. Die Grundsteinlegung erfolgte 1936 und die Bautätigkeiten wurden 1939 mit Beginn des zweiten Weltkrieges wieder eingestellt. Zu diesem Zeitpunkt war von den 8 Gebäudekomplexen erst einer bezugsfertig. Ein Komplex hatte eine Länge von 550m und sollte 10.000 Gästezimmer beherbergen. Nach Ende des Krieges wurden zahlreiche Gebäude gesprengt und die Anlage auf eine Länge von 2,5 km verkürzt. Nach einer wechselvollen Nutzung durch das Militär der Sowjets, der DDR und der Bundeswehr stand die Anlage ab 2004 leer und verfiel. Inzwischen werden Teile davon veräussert und als Hotels und Ferienwohnung wieder instand gesetzt. Leider hält der Bus nicht hier und der Weg von Binz aus ist etwas weit für die noch vorhandene Zeit an Land. Also mache ich einen Bummel durch die Stadt. Die Stadt wurde 1885 offiziell zum Seebad erklärt, was zur folge hatte, das sich in den nächsten Jahren das kleine Fischerdorf zu einem beliebten Urlaubsziel entwickelte. Durch die Seitenstraßen suche ich mir meinen Weg in Richtung Strand. Überall ist noch die alte Bäderarchitektur aus der Zeit um 1900 zu bewundern, insbesondere wenn man die Strandpromenade entlang geht. Die vielen kleinen Logierhäuser mit den typischen Holzschnitzerein und kleinen Balkonen sind alle liebevoll gepflegt. Vor mir erhebt sich fast schon majestätisch das imposante Kurhaus mit seiner vorgelagerten Seebrücke, welche 370 m weit in die Ostsee reicht und die Verlängerung der Haupstraße bildet. Es würde einen kaum überraschen wenn einem auf einmal Männer im feinen Zwirn und die Damen mit Schirm, breiten Hut und edlen Kleidern entgegen kommen. Mein Weg führt mich weiter über den Platz des Kurhauses wo ich abbiege hinab zum Strand um den feinen, weißen Ostseesand unter meinen Füßen zu spüren. Mit einem Rundgang durch die Einkaufsstraße von Binz und ein wenig Bummel schließe ich meinen Landausflug ab und fahre mit dem Bus wieder zurück zum Schiff, wo auch kurze Zeit später das Abendessen auf mich wartet.

Nach einem Besuch der letzten Show des Bordensembles an Bord setze ich mich vor den Captain’s Club und lausche noch ein wenig der Musik und beobachte die tanzenden Pärchen bevor ich mich vor der letzten Etappe der Reise schlafen lege.

 

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