Kreuzfahrt mit der MS Astor

 

Tag 1 – Bremerhaven.

Nimm mich mit Kapitän auf die Reise…

I. Die Fahrt nach Bremerhaven.

2. Mai 2016 – 8 Uhr morgens -heute starte ich zu meiner ersten Kreuzfahrt mit der MS Astor. Die S-Bahn, welche mich zum Hauptbahnhof bringt, rollt pünktlich an der kleinen Haltestelle ein. Also die Koffer schnappen, einsteigen und nach einem Platz suchen. Ok… fängt ja gut an… Kein Platz, haufenweise Schüler auf Ausflugsfahrt, also ist stehen angesagt. Aber es sind ja nur knapp 20 Minuten fahrt bis zu meinem ersten Umsteigepunkt. Endlich am Hauptbahnhof angekommen, hetze ich durch die Gänge um meinen Intercity noch rechtzeitig zu erreichen, da die Umsteigezeit etwas knapp ist. – Eigentlich – Aber manchmal ist auf die Bahn verlass. Der Zug hat eine gute halbe Stunde Verspätung. So warte ich also in aller Ruhe am Bahnsteig. Irgendwann kommt die Bahn. Also wieder einsteigen, Koffer verstauen und es sich erstmal im reservierten Sitz bequem machen. In gut 2,5 Stunden sollte ich dann in Bremen ankommen.13083378_1004080706336933_7117348925818957847_n Wo so langsam die Morgensonne durch das Fenster in den Wagon scheint kommt dann auch das Reisefieber. Das Ruhrgebiet zieht an mir vorbei, man nähert sich dem Münsterland.

Doch, wen wird es überraschen? Ein erneuter Halt auf der Strecke. Nach 10 Minuten geht es dann endlich mal weiter, allerdings habe ich die Hoffnung aufgegeben meinen Anschluss in Bremen nach Bremerhaven noch zu bekommen. Ich entscheide mich dafür, die Fahrtzeit mit einem kleinen Nickerchen zu verbringen. Kurz nach 11.30 Uhr erreicht mein Zug dann Bremen und mit dem Blick auf die Uhr stelle ich fest, mein Anschluss nach Bremerhaven, welcher mich pünktlich um halb eins in Bremerhaven hätte ankommen lassen ist weg; Bahnapp öffnen, Verbindungen anzeigen lassen und auf zum nächsten Bahnsteig um den RE nach Bremerhaven – Lehe noch zu erwischen. Jetzt komme ich zwar knapp 15 Minuten später an, aber das lässt sich noch verschmerzen. Während der Zug also so weiter durch das platte Land vor sich hin rollt, unterhalte ich mich nett mit einer älteren Dame auf dem Weg nach Cuxhaven, welche das Fotografenhandwerk von der Pike auf gelernt hat und dadurch schon viel von der Welt gesehen hat. Indirekt bringt Sie mich durch ihre Erzählungen auf die Idee meine Reise hier im Blog fest zu halten.

Gegen 12.45 Uhr rollt der Zug in Bremerhaven Hbf ein, begleitet von der freundlichen Durchsage eines Zugbegleiters mit nordischem Dialekt: „In wenigen Minuten erreichen wir, ausnahmsweise sogar mal pünktlich, Bremerhaven Hauptbahnhof, wodurch sie sogar ihre Anschlusszüge wie geplant erreichen. Vielen Dank für ihre Reise und Geduld mit der Deutschen Bahn“. Ich muss sagen, der hatte Humor. Ich verlasse also den Zug, gehe zum Ausgang und fahre mit einem Taxi zur Columbuskaje.

II. Das Columbusterminal und das Abenteuer „Check-In“

Bis zur Ankunft der MS Astor sind es noch gut zwei Stunden, also kann man noch in Ruhe was trinken und eine Kleinigkeit essen. Allerdings ist es wirklich nur ne Kleinigkeit, die Auswahl im Bistro des Terminals ist sehr überschaubar. Also bestell ich einen Latte Macchiato in dem Wissen, daß man in nicht allzu langer Zeit gutes Essen auf der Astor bekommt, denn eigentlich soll ja um 15 Uhr Einschiffung sein. Doch noch ist am Horizont kein Schiff zu sehen. Wie beim nachfragen zu erfahren ist, hat die MS Astor etwas Verspätung, das Schiff kommt anscheinend auch mit der Bahn. Also vertreibt man sich die Zeit auf der „Aussichtsgalerie“ und beobachtet das treiben auf der Weser. Dann, langsam erscheint ein kleiner Punkt am Horizont, Kreuzfahrt MS Astor 2016welcher sich zu dem erwarteten Urlaubsdomizil der nächsten Tage entwickelt.  Inzwischen füllt sich das Terminal mit wartenden Gästen und neuer Crew und draussen kommen die ersten Busse an, welche noch mehr Leute bringen.  Inzwischen wurde die Zeit zur Einschiffung auf ca. 16 Uhr verlegt, somit wächst am 15.30 Uhr die Schlange an den Checkin – Terminals zusehends.

Alle warten ganz brav das es endlich los geht und das Einchecken beginnt, doch nichts passiert. Auf einmal setzt sich die ganze Masse Menschen (es passen immerhin 578 Passagiere auf die 176 m lange MS Astor) in Bewegung und schiebt sich in die erste Etage hinauf – der Checkin wurde nach oben zu den Gates verlegt. Vor dem Gate 4 standen Tische, auf welchen die Bordkarten ausgebreitet wurden und Kreuzfahrt MS Astor 2016hinter dem Gate werden noch die Terminals aufgebaut, mit welchen die Passagiere erfasst werden. So zumindest in der Theorie. Allerdings geht es von hier aus irgendwelchen Gründen nicht weiter. So stehen halt ca. 400, wenn nicht noch mehr, Passagiere im Terminal der Columbuskaje und warten… und warten… und warten… Nach ca. 45 Minuten geht es dann los, man kann sich seine Bordkarte abholen und zur Sicherheitsschleuse gehen. Doch auch hier geht es nicht mehr weiter. Bei manchen Menschen, welche da mit einem anstehen, hat man das Gefühl sie haben Angst das jemand anderes Ihnen die Kabine weg schnappen könnte, so nach dem Motto, wer zuerst auf dem Schiff ist bekommt das beste Zimmer. Naja, irgendwann geht es dann weiter, nach dem man die Info bekommen hat, das wegen eines technischen Fehlers die EDV im Columbus – Terminal nicht funktioniert und die Passagiere jetzt manuell erfasst werden. Endlich wird auch eine zweite Sicherheitsschleuse geöffnet, durch die ich dann zur Kofferkontrolle komme. Rucksack auf das Band, Taschen in eine Kiste ausleeren… „Den Gürtel müssen sie aber auch ablegen“ sagt der freundliche ältere Herr von der Sicherheitsfirma zu mir. Also den auch noch in die Kiste und ab durch den Detektor. Kein piepen… Schade… So sammel ich meine Sachen wieder ein und gehe den Gang entlang, wo das Fototeam einen schon erwartet um das obligatorische Foto des Eincheckens zu machen. Dann lächeln wir mal freundlich und verkrümeln uns schleunigst an Bord. Dort, nach ein paar netten Worten und einem Handshake des Hoteldirektors Larry Jackson empfängt mich ein Stewart und bringt mich zu meiner gebuchten Kabine. Nach einem Blick auf die Uhr stelle ich fest, das es mit der geplanten Abfahrtszeit von   19 Uhr  wohl nichts mehr wird. Bis alle Passagiere an Bord sind und die Sicherheitsübung absolviert ist, wird es wohl noch ein wenig dauern. Aber mein Koffer steht schon vor der Kabine, so DSC_0251daß ich den schon mal in aller Ruhe auspacken kann.

III. Die Seenotrettungsübung

Ich bin vielleich eine viertel Stunde auf meiner Kabine als durch die Lautsprecher eine Durchsage erklingt, welche mitteilt das sich die Abfahrt verzögert sowie die Seenotrettungsübung gegen 18 Uhr stattfinden soll. Für alle Gäste, welche bereits an Bord sind, wäre das Essen im Überseeclub angerichtet. Nun, denke ich mir, Koffer ist ausgepackt, warum nicht ein wenig über das Schiff schlendern und sich umsehen. So zieht es mich dann hinaus an die Reling auf dem Pooldeck, von wo ich das Treiben an der Kaje beobachte. Durch das Terminal strömen immer noch Passagiere und einige Etagen tiefer werden fleissig dieDSC_0258 Lebensmittel für die Reise verladen. Mit der nächsten Ansage erfahre ich, die Alarmübung, welche für die MS Astor, wie auch jedes andere Kreuzfahrtschiff, vor dem Ablegen durchgeführt werden muss wurde weiter nach hinten geschoben, auf jetzt 19 Uhr. Na gut, dann geh ich jetzt erstmal was essen und genieße die kulinarischen Köstlichkeiten an Bord.

 

Gegen 19 Uhr hole ich mir meine Schwimmweste aus dem Zimmer und begebe mich nochmals auf das Pooldeck um mir in Ruhe noch eine Zigarette zu rauchen, bevor der Alarm ertönt. Überraschenderweise beginnt die Übung dann auch zur angekündigten Uhrzeit. Ich gehe zwei Decks tiefer zum Captains Club auf dem Promenadendeck, wo sich die Muster-Station für Life-Boat DSC_0257fünf befindet, während manche Gäste auf dem Weg dorthin schon verzweifelt versuchen der Leinen an den Westen herr zu werden. Ich denke mir nur wie sollte das in einem Ernstfall werden, wenn die jetzt schon über die Bänder fallen oder sich halb erdrosseln. Nun gut, jetzt sitze ich hier und über die Bordlautsprecher der MS Astor wird erklärt was in einem eventuellen Notfall auf See passiert und zu tun ist, während die Crew einem dazu demonstriert wie das Rettungsmittel der Wahl anzulegen ist. Nach dem dann alle ihre Schwimmwesten angelegt hatten, ging es im Entenmarsch auf Deck DSC_0255vor das jeweilige Rettungsboot wo man dann die letzten Instruktionen bekam. Während ich dann da so stehe und auf das Ende der Übung warte fährt die Alexander von Humboldt 2 an uns vorbei. Schnell ein Foto gemacht und wieder in die hinterste Reihe. Frauen und Kinder zuerst…

IV. Die ersten Stunden an Bord

Die Übung ist vorbei und die Schwimmweste wieder im Zimmer verstaut. Und das Schiff liegt noch fest. Also mache ich einen Rundgang über die verschiedenen Decks und beobachte die ganzen Leute, welche sich auf dem Oberdeck versammeln und darauf warten, das wir ablegen. Und dann, um 20.30 Uhr, ist es endlich soweit. Die Leinen werden gelöst und langsam setzt sich die MS Astor, mit anderthalb Stunden Verpätung, in Bewegung und dreht über die Backbordseite in Richtung Nordsee.

So verlassen wir die Seestadt an der Weser im Sonnenuntergang in Richtung Skandinavien. Vor uns liegen  ca. 330  Seemeilen offenes Meer und ein Seetag bevor wir am Abend des nächsten Tages in Göteborg einlaufen. In der zwischenzeit hat sich das Showensemble auf dem Achterdeck zur Begrüßung eingefunden und animiert die Leute mit Musik und Line Dance. Ich genieße noch die laue, abendliche Seeluft auf dem Pooldeck bei einem leckeren Cocktail in der Dämmerung, während das Schiff leise wummernd und von den Sternen begleitet durch die nächtliche, leicht unruhige Seeluft gleitet. Bevor ich mich auf den Weg in die Kabine mache gönne ich mir eine frische Brise Fahrtwind am Bug. So liege ich dann gegen 24 Uhr in meiner Koje und beobachte die Wellen, welche leicht beleuchtet an meinem Fenster vorbei ziehen und mich sanft in den Schlaf wiegen. Somit endet der erste Tag der Reise, ein Tag voller Verspätungen und ein wenig Chaos. Also vielleicht macht gerade das doch eine Reise erst interessant, oder nicht? Und mit diesen Gedanken sinke ich in den Schlaf, morgen früh wird die MS Astor irgendwo an der Dänischen Küste in der nähe vom Skagerrak sein.

 

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