Kreuzfahrt mit der MS Astor

Tag 4

Malmö

5. Mai 2016  – 6.30 Uhr

Skyline Malmö und Öresundbrücke
Skyline Malmö und Öresundbrücke

Unter strahlendblauem Himmel und einer leichten Brise nähern wir uns eine Stunde nach Sonnenaufgang Malmö, der drittgrößten Stadt  Schwedens und nächstliegender Nachbar Dänemarks. Bis zur zur Hauptstadt von Dänemark sind es nur knapp 30 km und die beiden Städte sind seit der Jahrtausenwende über die Öresundbrücke mit einander verbunden. Wie die letzten Tage bin ich früh aus dem Bett und stehe nun auf dem Deck über der Brücke und beobachte wie die Skyline Malmös immer näher rückt und im Dunst des Morgens die große Brücke zwischen zwei Ländern wie eine Fata Morgana erscheint. Von vorne kommt ein kleines orangenes Boot auf uns zu und geht längsseit. Der Lotse, welcher uns in den, im Vergleich zu Göteborg schmalen, Hafen begleiten soll, setz über. Er hat gerade eben den Fuß vom Deck des Übersetzers, da legt es auch eilig wieder ab und fährt so schnell wie es gekommen ist wieder vor uns weg. Die Gebäude welche vor kurzer Zeit noch winzig klein wirkten werden immer größer. Ich entschließe mich erstmal frühstücken zu gehen um das Einlaufen in den Hafen nicht zu verpassen.

 

Pünktlich um 8 Uhr liegt das Schiff an der Pier und die Moorer machen die letzten Leinen fest. Am heutigen Tage bekommen wir schon zur Begrüßung ein Ständchen von einer Band. Die Jungs und Mädels rocken ordentlich ab auf der Pier und man sieht das sie eine Menge Spaß dabei haben.  Langsam rollen auch die ersten Busse für die Landausflüge an und es wird Zeit in Richtung der Gangway zu gehen, da laut Reiseplan mein Landausflug um 8.30 startet.   Mal sehen was mich so erwartet, denn gestern in Göteborg war ich ja auf eigene Faust unterwegs. So steh ich dann vor meinem Bus und werde herzlich von unserer Stadtführerin begrüßt, eine ältere Dame, gebürtig aus Deutschland und vor etliche Jahren nach Schweden ausgewandert, was man auch an ihrem leichten schwedischen Akzent hört. So suche ich mir einen Platz im Bus als einer unserer Bordfotografen zu uns kommt. Ich biete ihm den leeren Platz neben mir an, so hat man dann einen Gesprächspartner mit dem man ein wenig fachsimpeln kann. Ein paar Nachzügler kommen noch und dann setzt sich der Bus auch schon in Bewegung.  Wir fahren durch den Hafen in Richtung Västra Hamnen. Viele Gebäude stehen seit der Werftenkrise leer und verfallen. Vorbei an der Malmö Central Station fahren wir in Richtung eines ehemaligen Werftgeländes der Kockums-Werft, heute der moderne, nachhaltig gebaute Stadtteil Västra Hamnen.

Västra Hamnen

Turning Torso
Turning Torso
Hafeneinfahrt Västra Hammen
Hafeneinfahrt Västra Hammen

Schon heute morgen konnte man ihn aus der Ferne beim Einlaufen in den Hafen sehen, das Wahrzeichen dieses neuen, modernen Stadtviertels aus teuren Wohnungen, Handelszentren und vielen Parks. Der Turning Torso prägt, ebenso wie die Öresundbrücke das Stadtbild Malmös und ist das Sinnbild für den wirtschaftlichen Wandel der Stadt vom Schiffbau hin zum Handel.  Der in sich verdrehte, 190 m hohe Wolkenkratzer ist das höchste Gebäude in ganz Skandinavien und beherbergt auf 54 Etagen zahlreiche Büros und Wohnungen. Auf einem Parkplatz hält unser Bus und wir können uns den Scaniapark und die Gegend um das Hochhaus anschauen. Leider reicht die Zeit nicht für nähere Erkundung und Fotos von der modernen Architektur des Viertels. Wir steigen wieder in den Bus und die Stadtrundfahrt geht weiter. Vorbei an den an einem Mix aus Baustellen, alten Hafengebäuden und moderner Architektur geht es weiter. Unter anderem kommen wir am World Trade Center vorbei – nein, der Kapitän ist in der Nacht keinen falschen Kurs gefahren. Während die Stadtführerin uns die Geschichte dieses Viertel erklärt, von seinem Ursprung als Hafen- und Werftfläche der einst größten Militärwerft Schwedens hin zu einem gentrifizierten, postindustriellen Stadtviertel kommen wir an dem fast 500 Jahre alten Malmöhus vorbei, einer ehemaligen Burg bzw. Festungsanlage welche eine bewegte Geschichte hinter sich hat.  Erbaut zwischen 1526 und 1530 hatte dieses Gebäude diente es als Festung, Wohnhaus für Adelige bis Ende des 18. Jahrhunderts, im 19. Jahrhunder als Gefängnis bis es Anfang des 20. Jahrhunderts als Armenhaus diente. Kurz vor Ausbruch des 2. Weltkriegs erfolgte der Einzug des ersten Museums. Wir lassen diese Gebäude hinter uns und fahren in Richtung der Altstadt von Malmö.

Malmöhus

 

Die Altstadt

Stortorget
Stortorget vom Rathaus aus gesehen

Am Stortorget (Marktplatz) gegenüber des historischen Rathauses hält unser Bus und wir steigen aus zum Stadtrundgang. Als erstes fällt unser Blick auf die Reiterstatue von König Karl X. Gustav welche auf einem großen, runden Sockel thront und seinen Blick fest auf das Rathaus gerichtet hat. Seinen Ursprung hat es im Jahre 1546 und wurde aus damals rotem Backstein und Sandstein im gotischen Stil errichtet. In Auftrag gegeben hat das Rathaus, ebenso wie der Platz auf dem wir stehen, der damalige Bürgermeister Jörgen Kock. Trotz seiner Umgestaltung im 19. Jahrhundert im holländischen Stil mit Renaissance-typischen Treppengiebeln und ähnlichem, sind auch im Interieur Überbleibsel aus der Historie zu finden, wie den Knutsaal oder den Landstingsaal. Überhaupt ist der Platz von alten Gebäuden und Geschichte umrundet und bieten einem guten Blick auf die verschiedenen Epochen der Stadtentwicklung sowie die Einflussnahme der verschiedenen Herrscher Dänemarks und Schwedens, sowie der Kaufleute, über Malmö.  Direkt neben dem Rathaus stehen mit der Apoteket Lejonet und den Handelsbanke zwei eindrucksvolle Gebäude aus der Hansezeit.

der Altar
Apotheke von innen
Innenansicht Apothek Lejonet

Mit einem Blick durch das Fenster der Apotheke stelle ich fest, das diese innen aussieht als wenn die Zeit stehen geblieben wäre. Leider ist heute, an Christi Himmelfahrt auch in Schweden Feiertag, so daß ich leider nur einen Blick von aussen erhaschen kann. Wir gehen weiter in Richtung der ältesten Kirche der Stadt, vorbei an einem Mix aus historischen Gebäuden und moderner Architektur.

Nun stehen wir davor, diesem beeindruckenden, gotischen Sakralbau aus dem 14. Jahrhundert. Die Sankt Petri kyrka, dessen Grundstein im Jahre 1319 gelegt wurde, ist neben der Marienkirche in Lübeck, eines der herrausragenden Beispiele für den Kirchenbau in der Ostseeregion und ein Sinnbild für die Backsteingotik in dieser Region. Unsere Reisegruppe versammelt sich vor der schweren, mit Schmiedeeisen verzierten Holztür des Haupteinganges.  Gespannt betretete ich die Kirche und stehe jetzt im Mittelschiff. Wer jetzt, wie zum Beispiel im Kölner Dom ein für die Gotik gewaltiges Kreuzgewölbe erwartet, der wird erstmal enttäuscht sein. Die dreischiffige Basilika ist sehr filigran gehalten in ihrer Architektur. Im linken Seitenschiff neben dem Eingang sind in den letzten Jahren gotische Fresken aus der Zeit vor der Reformation freigelegt und aufwendig restauriert worden. Direkt darunter steht das alte Taufbecken aus der Barockzeit und einige alte Grabplatten. Auch wenn sich die Kirche auf den ersten Blick in schlichtem Weiß zeigt, der barocke Altar, die Orgel und die reich verzierte Sandsteinkanzel werden mit ihren vielen Details

Die Türe von Sankt Petri

zu einem Hingucker. Ich schaue mich noch ein wenig um in dem Dom, bevor es weiter geht in Richtung des Lilla Torg (kleiner Markt). Dieser kleiner Markt ist das Herz der

am historischen Marktplatz

Altstadt von Malmö und liegt eingerahmt von vielen kleinen Fachwerkhäuser unweit der Sankt Petri Kirche. An diesem sonnigen Feiertag herrscht schon heute morgen reges Treiben auf dem Platz. Überall in den kleinen Aussencafes sitzen die Leute mit ihrem Kaffee in der in der Sonne und genießen diesen frühsommerlichen Tag.  Leider bleibt keine Zeit um hier zu verweilen, den unser Bus ist bereit zur Abfahrt um uns zu unserer nächsten Station zu bringen.

 

 

Lund

Dom zu Lund
Universität von Lund

Nach ungefähr einer halben Stunde Fahrt über Schwedens Straßen erreichen wir unser nächstes Ziel, die Studentenstadt Lund. Lund ist die älteste Stadt Schwedens und hat ihre Wurzeln im  10. Jahrhundert. Ihr Gründer war der dänische Wikingerkönig Sven Gabelbart (ob der auch einen Sohn namens Wickie hatte?), welcher die kleine Dorfschaft zu einem zentralen Handelszentrum für die Region ausbaute.  Bis in die Mitte des 11 Jahrhunderts unterstand der Klerus dem Bischhof von Canterbury bis Lund selbst zum Bischhofssitz wurde. Aufgrund dessen begann man dann im Jahre 1103 mit dem Bau des Dom zu Lund und die aufstrebende Stadt bekam ein Jahr später aufgrund des Bauvorhabens das Erzbistum für Skandinavien und Dänemark zugesprochen. Von da an ging es für Lund nur noch auffwärts und die Stadt entwickelte sich zum geistlichen wie auch weltlichen Mittelpunkt Dänemarks und zog den Adel magisch an. Mit der Reformation und des nahezu zeitgleichen, wirtschaftlichen Aufstieg Malmös verlor Lund an Bedeutung und konnte sich erst nach Errichtung der Universität im Jahre 1666 langsam wieder erholen. Unser Bus hält direkt vor der romanischen Pfeilerbasilika,welche einen ähnlichen Baustiel hat wie der Dom zu Speyer. Leider sind wir etwas spät in der Zeit für eine Besichtigung des inneren, da in einer viertel Stunde der Gottesdienst anlässlich Christi-Himmelfahrt stattfindet.  So bleibt uns nur ein Bummel über den Marktplatz und durch den Lundagard. In diesem Park liegt auch die Universität mit ihren historischen Gebäuden.

Imposant steht das weiße Hauptverwaltungsgebäude dort in diesem Park, in bester

kleine Gasse in der Altstadt
Ich beobachte dich!!

architektonischer Gesellschaft. Rechts daneben das Kungshuset (Königshaus), einst die Residenz der Könige bei ihren Besuchen in Lund und heute Sitz der philosophischen Fakultät. Direkt gegenüber steht das Haus der Akademischen Vereinigung, erbaut im 19. Jahrhunder im gotischen Stil, weshalb das Gebäude auch im Volksmund AF-borgen (Burg) heißt und links der Dom mit seinem Domkapitelhaus. Diese vier Gebäude bilden den Rahmen eines Blumenmeeres mit einem riesigen Brunnen in der Mitte.  Die Wege, welche die Gebäude miteinander verbinden sind gesäumt von alten, hohen Magnolienbäumen, welche ihre Blütenpracht präsentieren. Kritisch werde ich auf einmal aus einem dieser Bäume beäugt. Ein Dohle sitzt über mir auf einem Ast und beobachtet mich mit schief gelegtem Kopf und krächzt mich an. Wenn sie so bettelt will ich ihr doch mal den Gefallen tun und sie fotografieren. Aber anscheinend ziert sie sich dann wohl doch etwas und dreht mir den Rücken zu. Vom Park aus gehe ich weiter durch die alten Gassen der Stadt in Richtung des nächsten Parks, in dem sich ein botanischer Garten befindet. Auch hier bieten mir die Gewächshäuser eine menge Motive, und ich bedauere, genau wie in Göteborg, das ich mein Makro-Objektiv nicht mit auf die Reise genommen habe. Auf dem Rückweg zum Treffpunkt schlender ich noch ein wenig durch die historische Innenstadt. Dann geht es mit dem Bus auch schon wieder zurück zum Schiff.
Nach einer kleinen Stärkung im Restaurant überlege ich ob ich nochmal auf eigene Faust los ziehe und die Gegend erkunde. Da allerdings unser Schiff bzw. der Hafen etwas weiter von der Stadt

Ein kleines Stück Frankreich

entfernt ist, beschließe ich das ich den Rest des Nachmittages an Deck in der Sonne verbringe und einfach nur mit einem Buch faullenze.

 

 

 

Hei då svenska! – Sa wasche sdarow’je, Mat‘ Rossiya

Die Öresund – Brücke im Sonnenuntergang
Let’s dance

Pünktlich um 20 Uhr verlassen wir Malmö und steuern auf die Öresund-Brücke zu, welche wir passend zum Sonnenuntergang passieren. Während die letzten Lichtstrahlen des Tages die Brücke in ein goldenes Licht taucht schiebt sich der Schornstein der MS-Astor langsam unter ihr hindurch. Gegen 21 Uhr begebe ich mich in Richtung der Astor-Lounge wo uns das Bord-Ensenble heute Abend zu einer musikalischen Reise nach Mütterchen Russland mitnimmt bevor ich den Abend bei meinem Lieblingscocktail, dem BBC, vor dem Captains Club bei netten Gesprächen ausklingen lassen. Als ich in meiner Koje liege, haben wir noch eine ungefähre Strecke von 80 sm vor uns, bevor wir morgen früh unsere letzte Station Rügen erreichen werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.